Was denn noch alles?
Eine Krise folgt auf die nächste


 
15.05.2202
 ► Die Pandemie im dritten Jahr, eine steigende Inflation – und nun auch noch ein Krieg. Das alles liefert ständig schlechte Nach­richten, schockierende Bilder und verursacht beängs­ti­gende Eindrücke. Das unermessliche Leid, das der Krieg über die Ukraine bringt, lähmt die Gedanken. Dennoch darf die Ein­schätzung der eigenen Lage nicht in den Hinter­grund geraten. Denn die Druckindustrie ist durch all diese Ereignisse mehrfach betroffen. Deshalb muss sich jeder mit den aktuellen und möglichen Folgen für das eigene Business auseinandersetzen.

Natürlich hat man bei dem Gedanken an diesen sinnlosen und schrecklichen Krieg ein schlechtes Gewissen. Denn den russischen Angriffs-Krieg und das Morden in der Ukraine haben wir in Europa durch Energie-Importe mitfinanziert. Was bleibt, ist Empörung, Ratlosigkeit und Wut. Wir (einfachen Leute) können Solidarität mit der Ukraine zeigen und spenden – viel mehr können wir zurzeit nicht tun. 
Der Krieg hinterlässt aber auch bei uns seine Spuren: Die Preise für Energie und Rohstoffe explodieren, der tägliche Einkauf ist teuer geworden, Tanken fast unbezahlbar. Und im Betrieb steigen die Preise für Verbrauchsmaterialien und Papier sowieso – wenn wir denn welches bekommen. Generell führen steigende Kosten für die Industrie zu höheren Verbraucherpreisen. In der Folge verschlechtert sich das Konsumklima weiter – auch mit negativen Auswirkungen auf die Werbebudgets. Was sich wiederum auf die Auftragslage der Druckindustrie auswirkt, die mit der Papierknappheit schon gestraft genug wäre. 
Nach einer Umfrage des Bundesverbandes Druck und Medien haben 72% der deutschen Druckereien aufgrund der Situation am Papiermarkt  Aufträge nicht annehmen können oder verloren. 70% erwarten eine dauerhafte Umsatzreduzierung durch die Abwanderung von Druckaufträgen in digitale Kanäle.

Selbst wenn Vertreter der Papierindustrie und des Handels inzwischen zugeben, dass bei der Einschätzung des Marktes auf Seite der Papierhersteller einiges schief gelaufen ist, was teilweise zur Papierverknappung beigetragen habe, hilft das nicht weiter und sorgt auch nicht für Beruhigung. Das Vertrauen in die Papierindustrie ist beschädigt. Was den größten Papierhersteller in Europa jedoch nicht davon abhält, Öl in die Wunde zu gießen. Stora Enso zeigt das wahre Gesicht der Papier­konzerne ganz offen und ohne Scham. Für den finnisch-schwedischen Hersteller ist Papier kein lukrativer Markt mehr – also verkauft man vier der fünf Papierfabriken, um sich Märkten zuzuwenden, die Wachstum versprechen. 

Einige wenige Branchenkenner haben das kommen sehen. Denn die großen Papierkonzerne berichten seit geraumer Zeit lieber darüber, Bio-Kraftstoff oder nachhaltige Dämmplatten herstellen zu können, als über Weiterentwicklungen bei Papier und Karton.

Wir werden uns also auf turbulente Zeiten einstellen müssen. Papier ist dabei nur ein Problem. Ja, das hört man schon länger. Aber jetzt ist die Situation wirklich brenzlig. Und angesichts der durch Zensur begünstigten Lügen und den gleichzeitigigen Anschlägen auf die Presse- und Meinungsfreiheit in Russ­land bewahrheitet sich, was der amerikanische Journalist Stewart Alsop (1914 – 1974) schrieb: "Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun." Wir sollten also sehr viel sensibler und weniger gleichgültig sein, wenn Menschen falsch oder gar nicht mehr informiert werden. Dann ist Gefahr im Verzug.  


 

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